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Home »  Die Zeitschrift »  Archiv »  Jahrgang 2002 »  Ausgabe 1/2002 »  Allgemein, Marketing, Recht »  condetti - Schulungsthemen »  Brandschutz

Brandschutz

Baurechtlich können damit die Gebäudeabschlusswände als F30-B/F90-B-Konstruktionen erstellt werden. Die grundsätzliche Funktionsweise dieser kombinierten Gebäudeabschlusswände haben wir bereits in der Ausgabe 3/2000, vorgestellt. Bei versetzten Gebäudeabschlusswänden kommen allerdings einige Fragen hinzu.


 

Gebäudeabschlusswand einer Reihenhauswohnanlage, Foto: Architektin Inge Herchenröder, Lauterbach


 

 

 


Entsprechend der Musterbauordnung, Ausgabe 1996, §28 Abs.1 Ziff.1 sind Brandwände zum Abschluss von Gebäuden herzustellen, bei denen die Abschlusswand bis zu 2,5 m von der Nachbargrenze erreicht wird. Dieser Fall liegt in unserem Beispiel vor, da unmittelbar angebaut werden soll.

§ 28 Abs. 1 führt aber weiter aus, dass „für Wohngebäude geringer Höhe mit nicht mehr als zwei Wohnungen abweichend von Satz 1 Nr. 1 und 2 anstelle von Brandwänden feuerbeständige Wände zulässig sind; Wände mit brennbaren Baustoffen können gestattet werden, wenn wegen des Brandschutzes Bedenken nicht bestehen.“ Entsprechend der Musterbauordnung dürften unsere beiden Gebäude also als Gebäude geringer Höhe mit zwei Wohnungen ausgeführt werden.


Brandschutzrecht bei versetzten Wänden
Während der Anwendungsbereich von Gebäudeabschlusswänden in Holzbauweise nach Musterbauordnung noch sehr eng ist, wird der Anwendungsbereich in den Bauordnungen der Länder deutlich erweitert. Entsprechend § 30 Abs. 3 der Hessischen Bauordnung (Stand 1998), darf diese Art von Wänden bis zur Gebäudeklasse D angewendet werden, das sind Gebäude geringer Höhe mit maximal sechs Wohnungen. Die Hessische Bauordnung präzisiert in § 30 Abs. 3 weiter „anstelle der feuerbeständigen Trennwände aus nichtbrennbaren Baustoffen (A) können Doppelwände mit brennbaren Baustoffen zugelassen werden, wenn diese eine Feuerwiderstandsdauer von innen nach außen von 30 Minuten (F30-B) und von außen nach innen von 90 Minuten (F90-B) aufweisen.“ Und weiter heißt es: „Bei aneinander gebauten Gebäuden der Gebäudeklassen B und D sind Vorkehrungen zu treffen, die einer Brandübertragung durch Außenwände oder Außenwandverkleidungen aus normalentflammbaren Baustoffen auf angrenzende Gebäude entgegen wirken.“

In den Formulierungen der Hessischen Bauordnung liegt eine gewisse Brisanz. Der Begriff „Doppelwände“ wurde nämlich zum Teil und nicht nur in Hessen so ausgelegt, dass es sich um deckungsgleiche Doppelwände handeln muss. Dies würde bedeuten, dass die in unserem Detail dargestellte Bausituation nicht möglich wäre, da die Wände in diesem Fall nicht deckungsgleich sind.

Allerdings entspricht unser Fall der Genehmigungspraxis und dem Stand der Technik. Bild 5 zeigt eine Gebäudeabschlusswand einer Reihenhauswohnanlage in Marburg-Moischt, also in Hessen. Die jeweiligen Giebelwände des Haupthauses und der zwischengebauten Anbauhäuser sind Gebäudeabschlusswände. Die Haupthauswand ist in diesem Fall ebenfalls mit einer Holzwolle-Leichtbauplattenbekleidung und Putz versehen.

Die Bauordnung des Landes Nordrhein-Westfalen (1995) gestattet die Anwendung versetzter Gebäudeabschlusswände (§31 (4)), wenn sie von außen nach innen eine Feuerwiderstandsdauer F 90-B aufweisen und eine ausreichend widerstandsfähige Schicht aus nichtbrennbaren Baustoffen haben. Entsprechend [4] gelten mindestens 25 mm dicke Holzwolle-Leichtbauplatten selbst ohne Putz als ausreichend widerstandsfähig.

Regeln für versetzte Wände
Das Holzbau Brandschutzhandbuch von Kordina/ Meyer-Ottens [4] zeigt, dass horizontal versetzte Gebäudeabschlusswände in Holzbauweise möglich sind.

Wichtig ist, dass die Gebäudeabschlusswände an Stelle von Brandwänden verwendet werden. Es sind daher bei versetzten Gebäuden die Regeln für Brandwände in Gebäudeeckbereichen nicht anzuwenden. Die Gebäudeabschlusswand muss also nicht wie eine Brandwand fünf Meter über Eck geführt werden. Entsprechende Regeln enthält auch der Brandschutzatlas [5].

Aber es ist zu beachten, dass brennbare und/oder hinterlüftete Fassaden einen ausreichenden Abstand zur Ecke einhalten. In Bild 6 sind die erforderlichen Mindestüberstände dargestellt.

Da die Gebäude jeweils selbst nur für 30 Minuten standsicher sein müssen, ist theoretisch nach 30 Minuten eine Brandeinwirkung von der Außenseite möglich. Durch die versetzt angeordneten Gebäude wird dieser Brand auch über Eck angreifen. Dadurch erklären sich die 500 mm erforderliche Mindestbreite der von außen feuerbeständigen Außenwände.

Es wird seitens der Verfasser empfohlen, entweder die Außenbeplankung der Gebäudeabschlusswand mindestens ebenso weit über Eck zu führen. Alternative: eine Wandkonstruktion wählen, die von außen eine ausreichend widerstandsfähige Schicht (z.B. in der Bauart von F 90-Bvon außen Wänden) aufweist.

Unbedingt verhindern – Brand hinter der Fassade
Eine besondere Gefahr entsteht dann, wenn der Brand durch die Einwirkung über Eck hinter die Fassadenbekleidung dringen kann und sich dort als Hohlraumbrand weiterentwickelt, der von außen nicht erkennbar bzw. sehr schwer erreichbar ist. Unser „So-Nicht-Detail“ zeigt eine solche falsche Bauausführung. Im Hauptdetail hingegen ist die Brandschutzbekleidung der Trennwand unmittelbar bis an die Holzwolle-Leichtbauplatte der Außenwand geführt.

Der Hohlraum zwischen den Traglattungen der Holzwolle-Leichtbauplatte ist vollgedämmt. Für die Dämmung muss mindestens für den Bereich von 500 mm auch in der Außenwand eine nichtbrennbare, raumbeständige Mineralfaserdämmplatte mit einer Rohdichte r ≥ 30 kg/m3 und einem Schmelzpunkt T ≥ 1.000°C verwendet werden. Diese Mineralfaser muss unbedingt dicht gestoßen eingebaut werden.

Um zusätzlich das Eindringen des Brandes über die Fuge zwischen der doppelten Fermacell-Beplankung und der Holzwolle-Leichtbauplatte zu erschweren, sollte der Stirnbereich und ein ausreichend breiter Streifen auf der Rückseite der an die Gebäudefuge anschließenden Holzwolle-Leichtbauplatte mit einem gestreckten Zementmörtel von 3 mm bis 5 mm Dicke versehen werden (vgl. Altbau), so dass zwischen der Fermacell-Platte und der dann glatten Rückseite der HWL-Platte ein zusätzlicher Brandschutzkitt eingebaut werden kann.


 

Erforderliche Mindestüberstände (in Anlehnung an [4])

 

 

 

 


Klassifikation der vorhandenen Wände

Die von uns gewählten Konstruktionsaufbauten können folgendermaßen klassifiziert werden:
Der Wandaufbau des Bestandes mit außenseitiger Heraklith-Beplankung der Dicke d = 50 mm mit rückseitigem Verstrich und außenseitigem Kalkzementputz der Dicke d ≥ 15 mm und innenseitiger Heraklith-Platte der Dicke d = 35 mm ohne Dämmung wird nach den Angaben der Technischen Anleitungen der Firma Heraklith aus dem Jahr 1939 [1] als feuerhemmend bezeichnet, das würde nach unseren heutigen Bezeichnungen eine Feuerwiderstandsdauer von 30 Minuten bedeuten.

Näherungsweise ist dieser Wandaufbau auch nach DIN 4102-4: 1994-03, Tab. 54 zu klassifizieren. Danach ist bereits eine 35 mm dicke Holzwolle-Leichtbauplatte mit 15 mm Putz nach DIN 18550-2 für eine F 90-Bvon außen Wand ausreichend, vgl. auch [4]. Allerdings wird für diese Wände zusätzlich eine Mineralfaser-Dämmschicht der Mindestdicke 80 mm bei innenseitiger Beplankung mit 16 mm Holzwerkstoffplatte und 9,5 mm GKF-Platte verlangt.

Vermutlich ist der Wandaufbau durch die mit 50 mm dickere und innen mit zusätzlichem Mörtelstrich versehene Außenbekleidung und die mit 35 mm Dicke und Putz versehene Innenbekleidung insgesamt F 90-Bvon außen, der endgültige Nachweis müsste jedoch durch Prüfung oder gutachterliche Stellungnahme erbracht werden. Wenn die Wand, wie von der Wärmeschutzabteilung vorgeschlagen, ausgeblasen wird, dann wird der erforderliche Brandschutz wohl jedenfalls erreicht werden. Ein Prüfzeugnis oder eine gutachterliche Stellungnahme die genau diesen Fall behandelt, ist den Autoren bis jetzt aber noch nicht bekannt.

Die Firma Heraklith gibt aktuell für einen entsprechenden Wandaufbau ohne hinteren dünnen Zementauftrag, jedoch mit einer Mineralfaser- oder Flachsdämmung und beidseitig 50mm Heraklith BM – Platte einen Feuerwiderstand von 90 Minuten (F90-B) an. Zu diesem Wandaufbau liegt ein Prüfzeugnis vor [6]. Er entspricht aber auch nicht exakt unseren Vorgaben. Man sieht – die Tücke liegt im Detail.

Die Gebäudeabschlusswand des Neubaus entspricht einer geprüften Wandkonstruktion der Fels-Werke. Sie entspricht der in dnq 3/2000 in der Übersicht dargestellten Wand Nr. 4 (Fermacell 1 HG 35-1).

Die Außenwand des Neubaus wiederum entspricht bzw. übertrifft als raumabschließende Wand DIN 4102-4 Tab. 54, Zeile 2 und ist bei Verwendung von Mineralfaser (s.o.) als F 90-B/F 30-B Konstruktion einzustufen. Die mit 15 mm etwas dünnere Holzwerkstoffplatte wird durch die dickere GKF oder Gipsfaserplatte leicht kompensiert.

Aus brandschutztechnischer Sicht sind die Angaben des horizontalen Schnittes der versetzten Trennwände – ordnungsgemäße handwerkliche Ausführung vorausgesetzt – nach Ansicht der Autoren anwendbar. Allerdings sollte möglichst eine Volldämmung des Bestandes erfolgen. In der Praxis muss ein Prüfzeugnis oder eine gutachterliche Stellungnahme vorliegen, um baurechtlich unangreifbar zu sein.


 




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